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Gebrauchtwagen-Check: Ford Galaxy III - Raumriese mit schwachen Knien

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  • 14. Oktober 2020, 11:45 Uhr
  • Holger Holzer/SP-X
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Viel Platz und jede Menge Assistenzsysteme zeichnen den Ford Galaxy aus Foto: Ford

Der Ford Galaxy zählt zu den Urvätern des Van-Segments. In der dritten Generation überzeugt das Familienauto mit traditionellen Tugenden, zeigt aber auch typische Schwächen.

Auf den Neuwagenmarkt sind die großen Vans ein Ladenhüter. Als Gebrauchte sind sie nach wie vor stark gefragt. Allerdings sollten sie mit Vorsicht ausgewählt werden, wie sich auch beim Ford Galaxy in der seit 2015 gebauten dritten Generation zeigt.

Karosserie und Innenraum: Wer mehr Platz will als der Galaxy zu bieten hat, muss Bus fahren. Fünf auch für große Erwachsene geeignete Sitze gibt es serienmäßig, zwei schmaler geschnittene Sitze sind bei Varianten mit der optionalen dritten Reihe zusätzlich an Bord. Doch nicht nur als Shuttle für Familie oder Verein überzeugt der große Ford, auch beim Transport unbelebter Güter kann er punkten. Das Gestühl hinter Fahrer und Beifahrer lässt sich eben im Boden versenken, so dass ein Gepäckraum auf Lieferwagen-Niveau entsteht. Der Innenraum ist gut verarbeitet und wirkt in den höheren Ausstattungslinien richtiggehend edel. In allen Varianten fallen die bequemen Sitze und die gute Geräuschdämmung auf, was beides prima zum sehr komfortablen Gesamt-Charakter des Galaxy passt. Das teils etwas umständliche Bediensystem und das überladene Multifunktionslenkrad trüben den guten Gesamteindruck kaum.

Motoren und Antrieb: Die Technik des Galaxy stammt wie beim etwas kleineren Schwestermodell S-Max von der Mittelklasselimousine Mondeo. Von dem stammt auch das Motorenangebot, das mit einem 118 kW/160 PS (seit 2018: 121 kW/165 PS) starken 1,5-Liter-Turbobenziner startet. Auch wenn ein Benziner in dieser Klasse eher selten zu finden ist: Für den Alltag reicht der Vierzylinder locker aus, verbraucht aber schnell im zweistelligen Literbereich. Wer viel fährt oder das Auto häufig mit Kind und Kegel für die Bergtour volllädt, wählt lieber einen der zahlreichen 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel. Die gibt es im breiten Band von 88 kW/120 PS bis 177 kW/240 PS, wobei die mittleren Varianten mit 110 kW/150 PS oder 132 kW/180 PS die beste Wahl sind, um den schweren Van zu vertretbaren Anschaffungs- und Unterhaltskosten in Schwung zu bringen. Neben Vorderradantrieb ist für die Selbstzünder auch Allradtechnik zu haben, neben einer manuellen Sechsgangschaltung auch verschiedene Automatikgetriebe. Grundsätzlich sind alle Motoren unproblematisch, die 2.0 TDCI-Triebwerke fallen allerdings gelegentlich mit Problemen an der Common-Rail-Einspritzung auf. Betroffen sind vor allem Modelle mit getunter Motorsteuerung, die es selbst im in dieser Hinsicht eher unverdächtigen Van-Segment gelegentlich gibt.

Ausstattung und Sicherheit: Als Neuwagen startet der Ford Galaxy erst deutlich jenseits der 30.000-Euro-Grenze. Im Gegenzug geht die Basisausstattung bereits durchaus in Ordnung. Tempomat, Klimaautomatik, DAB-Radio, Dachreling und 17-Zoll-Felgen sind Standard im Basismodell ,,Trend". Im ,,Titanium"-Modell kommen Parksensoren, Navigation und Klapptische für den Fond hinzu, als ,,Vignale" fährt der große Ford als edle Großraum-Lounge mit Ledersitzen und Soundsystem vor. Generell zeigt sich an der Optionsliste, dass dem Van für die Marke lange Zeit eine Flaggschiff-Funktion zukam. Massagesitze, LED-Scheinwerfer, Adaptiv-Lenkung und Assistenten-Pakete waren bestellbar. Letztere sorgen mit immer noch zeitgemäßen Posten wie Verkehrszeichenerkennung, Querverkehrswarnung und einem Notbrems-System für Sicherheit an Bord. Die Familie freut sich darüber hinaus über serienmäßig acht Airbags und fünf Crashtest-Sterne.

Qualität: Auch der Galaxy leidet unter der chronischen Schwäche aller Vans. Weil die Familienautos sehr schwer sind, aber in der Regel auf normalen Pkw-Plattformen stehen, macht das Fahrwerk ungewöhnlich schnell schlapp. Beim Ford sorgen vor allem die Achsaufhängung und die Bremsen für Ärger, Federn und Dämpfer sowie vor allem die Lenkung schneiden in der TÜV-Statistik zumindest bislang aber besser ab als beim direkten Vorgänger (2006 bis 2014). Von der teils verheerenden Qualität der ersten Galaxy-Generation (1995 bis 2006) sind aber beide Modelle weit entfernt. Trotzdem sollte man bei den Kaufverhandlungen ausreichend Geld für Reparaturen in der Hinterhand behalten.

Fazit: Fords Galaxy hat die gleichen Stärken und Schwächen wie fast alle europäischen Vans - ein überragendes Platzangebot und ein hohes Komfortniveau treffen auf tendenziell überlastete Fahrwerke. Wer ein Exemplar mit geringer Laufleistung oder liebevollem Vorbesitzer findet oder einfach Glück hat, kann sich unter Umständen teure Reparaturen und lange Werkstattaufenthalte ersparen. Sicherheitshalber sollte man trotzdem mit Folgekosten rechnen.

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