Ratgeber

Wie sicher sind E-Fahrzeuge bei Unfällen oder Pannen?

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@ anaterate (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Die Zahl der zugelassenen Elektroautos steigt von Jahr zu Jahr. Doch damit werden auch die Stimmen lauter, die die Sicherheit von Elektroautos bei Unfällen hinterfragen. Wie groß ist beispielsweise die Gefahr eines Brandes?

Sicherheitstechnische Anforderungen bei Elektrofahrzeugen

In Deutschland müssen alle Fahrzeuge, die eine Zulassung bekommen, die gesetzlichen Anforderungen erfüllen damit für die Sicherheit der Fahrzeuginsassen garantiert wird. Dies ist völlig unabhängig davon, ob das Fahrzeug elektrisch oder herkömmlich betrieben wird. Im speziellen Fall des Elektroautos bedeutet dies, dass sämtliche elektronischen Teile "eigensicher" konstruiert werden müssen. Doch was bedeutet eigensicher? Sobald in irgendeiner Form ein Defekt auftritt – beispielsweise im Falle eines Unfalles - so wird automatisch kein Strom mehr durch die Batterie geleitet.

Wie gefährlich ist eine Panne mit einem E-Auto?

Auch bei Pannen besteht dementsprechend keine Gefahr für Autofahrer, da Elektroautos durch die Sicherheitskomponenten der Hersteller sicher sind. Dennoch sollten Arbeiten an E-Fahrzeugen aus Gründen der Sicherheit nur von ausgebildeten Personen bzw. zertifizierten Werkstätten durchgeführt werden. Laien sollten daher unter keinen Umständen selbst Hand an die Hochvoltkomponenten legen. Speziell Leitungen in der Farbe Orange sind in jedem Fall Tabu!

Die Gefahr von Fahrzeugbränden bei E-Fahrzeugen

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Elektrofahrzeuge bei Unfällen mindestens genauso sicher wie herkömmliche Autos sind. Die Gefahr eines Brandes ist daher eher gering einzuschätzen, da die Sensorik sofort reagiert und das Hochvoltsystem abschaltet. Da es in der Öffentlichkeit hier jedoch immer noch große Unsicherheiten gibt, hat der ADAC einen Crashtest-Vergleich durchgeführt. Verglichen wurde ein elektrisch angetriebener VW e-up! mit einem normalen VW up! Der Test, bei dem ein Frontalzusammenstoß simuliert wurde, hat gezeigt, dass die Belastungswerte für die Fahrzeuginsassen identisch waren. Die Batterie ging nicht in Flammen auf. Für die Fahrzeuginsassen des E-Autos bestand demnach keine Brandgefahr.

Gefahr "Thermal Runway"

Gefährlich kann es nur dann werden, wenn die eingebauten Schutzmechanismen durch einen schweren Unfall verformt werden und dadurch versagen. Ist das der Fall, dann könnte die Antriebsbatterie theoretisch Feuer fangen – man spricht in diesem Zusammenhang von "Thermal Runway". Selbstentzündungen ohne Fremdeinwirkungen sind jedoch extrem selten. Auch Bedenken hinsichtlich Gefahren beim Aufladen des E-Autos in einer Garage sind unbegründet.

Brandbeschleunigung höher bei E-Autos?

Auch der deutsche Feuerwehrverband ist zu dieser Einschätzung gekommen und hält das Gefährdungspotential von Elektroautos nicht höher als bei herkömmlichen Fahrzeugen. In Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass selbst die Intensität der Brandbeschleunigung unabhängig von der Arte des Antriebes ist. Vielmehr hängt dies mit den verwendeten Materialien - wie Kunststoffen - zusammen.

Bergung von Verletzten in modernen Autos

Die Leistung von "Erster Hilfe" ist durch die automatische Stromunterbrechung möglich, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Die Sicherheit von modernen Fahrzeugen kann jedoch unabhängig von der Antriebsform zu einem Problem werden. Nämlich dann, wenn Verletzte geborgen werden müssen, die im Fahrzeugwrack eingeklemmt sind. Ergebnisse der Unfallforschung haben gezeigt, dass gerade die sicheren, verstärkten Karosseriekonstruktionen in modernen Autos es Feuerwehrleuten erschweren, sich Zugang zu den Verletzten zu verschaffen. Da die Einsatzkräfte nicht die Konstruktionsdetails von sämtlichen Modellen auswendig kennen können, gibt es sogenannte Rettungskarten.

Rettungskarten und Rettungsleitfaden für schnelle Hilfe

Rettungskarten sind Schnittzeichnungen des Autos, auf denen eingezeichnet ist, wo sich beispielweise Batterie und Karosserieversteifungen befinden. Dies verschafft der Feuerwehr einen Zeitvorteil, da Bergegeräte punktgenau eingesetzt werden können. Bei MAN werden beispielsweise zu diesem Zweck in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Schneidversuche an Elektrobussen durchgeführt, um einen Rettungsleitfaden erstellen zu können und die Sicherheit für Passagiere und Rettungskräfte zu optimieren.

Rettungskarte für Ihr Auto

Auch Sie können Ihr Auto mit einer solchen Rettungskarte ausstatten. Drucken Sie sich dazu die Rettungskarte für Ihr Fahrzeugmodell in Farbe aus und befestigen Sie diese mit der bedruckten Seite nach außen hinter Ihrer Sonnenblende auf der Fahrerseite. Zusätzlich ist empfehlenswert, an der Windschutzscheibe den Aufkleber "Rettungskarte im Fahrzeug" anzubringen, der in jeder ADAC Geschäftsstelle erhältlich ist.

Fazit

Durch systeminterne Abschaltmechanismen ist das Sicherheitsrisiko von E-Fahrzeugen bei einem Unfall oder einer Panne gleichzusetzten mit dem eines herkömmlichen Fahrzeuges. Kritisch könnte einzig die Beschädigung der Batterie werden. Daher wird von den Autoherstellern großer Aufwand betrieben, um diesen Fall möglichst auszuschließen, indem die Batterie im Unterboden des Autos möglichst vor Verformung geschützt wird.

Bei Crashtests haben sämtliche E-Autos im Vergleich mit Fahrzeugen, die herkömmlich angetrieben werden, gut abgeschnitten. Teilweise ist die Sicherheit für die Insassen durch bessere Crashstrukturen sogar besser einzustufen.

Die Technologie von Elektroautos ist noch vergleichsweise neu. Dementsprechend groß sind auch die Unsicherheiten. Doch die Praxis hat bisher gezeigt, dass diese Ängste völlig unbegründet sind. Denn derzeit gibt es keinen Hinweis darauf, dass E-Fahrzeuge bei Pannen oder Unfällen gefährlicher wären, oder eher Feuer fangen als dies bei Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb der Fall ist.

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