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Leser fragen - Experten antworten - Ist ein Auto vegan?

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  • 12. März 2015, 12:15 Uhr
  • Ole Dietkirchen/SP-X
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Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeug-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS Foto: KÜS

Veganer haben es beim Konsum schwer, wenn sie konsequent auf tierische Produkte verzichten wollen. Auch beim Autokauf.

Frage: Ich bin überzeugter Veganer. Beim nächsten Autokauf möchte ich ein Modell ohne tierische Produkte kaufen. Worauf muss ich achten?

Antwort von Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigenorganisation KÜS: Veganer sollten natürlich eine Lederausstattung vermeiden. Das ist in der Kleinst- und Kleinwagenklasse gar kein Problem, weil das teure Material dort selbst gegen Aufpreis nur selten angeboten wird. Ab der Kompaktklasse wird das aber schon schwieriger; zwar zählen Ledersitze dort auch noch zur Ausnahme, ein Lederlenkrad ist in den höheren Ausstattungslinien aber häufig Standard. Für Veganer unangenehm: Häufig sind die attraktiveren Motoren und Technik-Extras nicht selten an eben diese höheren Niveaus gekoppelt. Wer partout kein Lederlenkrad will, ist daher oft an die schwach motorisierten und extra schlecht ausgestatteten Basismodelle gebunden.

Oberhalb der Kompaktklasse ist es nur schwer möglich, ein Auto ohne zumindest ein Lenkrad aus Leder zu bekommen. Zu den Ausnahmen zählt etwa die Mercedes E-Klasse, die es in einer Art ,,Taxifahrer-Version" mit günstigem und besonders strapazierfähigem Kunstleder gibt. Der Hersteller nennt das Material Artico. Eine weitere Alternative zu Leder ist Alcantara - eine Kunstfaser, die wie Wildleder aussieht und für Sitze, Lenkräder und Innenraumverkleidungen genutzt wird. Allerdings wird sie in der Regel nur in Sportwagen und anderen hochpreisigen Modellen angeboten. Alcantara-Sitze sind zudem häufig mit Leder-Einsätzen kombiniert. In den obersten Autoklassen, etwa bei Rolls-Royce oder Bentley, kommen auch Materialien wie Seide oder Perlmutt zum Einsatz. Allerdings haben die Kunden dort einen fast uneingeschränkten Einfluss auf die Zusammenstellung ihres Modells und können so leichter auf tierische Materialien verzichten.

Nicht-vegane Stoffe können sich aber auch an schwer erkennbaren Stellen verstecken. Etwa in Form von Wolle, die sich in Sitzbezügen aus Mischgewebe findet. Auch in den Schäumen und Auflagen unterhalb der Bezüge finden sich manchmal tierische Zusätze. Diese im Einzelfall zu identifizieren dürfte aber sehr schwer sein, der Händler und selbst der Fahrzeughersteller muss davon nicht unbedingt etwas wissen. Wer da ganz sicher gehen will, muss sich detektivisch auf die Suche machen und etwa beim Zulieferer oder dem Zulieferer des Zulieferers nachfragen.

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