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Aus welchen Teilen besteht ein Scharnier? Eine Übersicht

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@ Spudaitis (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Scharniere sind mechanische Gelenke, die dazu dienen, zwei Bauteile beweglich miteinander zu verbinden. Die beiden Scharnierhälften und die mit ihnen verbundenen Teile (Türen, Klappen) bewegen sich dabei innerhalb eines beschränkten und unveränderlichen Drehbewegungsbereich um eine feste Achse (beispielsweise der Türrahmen). Durch diese bewegliche Verbindung lassen sich die beiden zusammenhängenden Bauteile auf- und zuklappen.

Die Scharnierhälften werden auf unterschiedliche Art und Weise an der Tür oder Klappe und dem Rahmen befestigt: Geschraubt, geschweißt, genagelt oder auch geklebt. Die Drehbewegung erfolgt um einen Stift, welcher als zentrale Achse dient. Bei einigen Scharniertypen ist der Stift auch Teil der am Rahmen befestigten Scharnierhälfte. Diese wird in diesem Fall als Scharnierbock bezeichnet, die andere Hälfte als Lasche.

Die meisten Türen sind also mit zwei oder mehr Scharnieren an einem Rahmen befestigt. Diese ermöglichen somit erst das Öffnen der Tür - in der Regel jedoch nur bis zu einem bestimmten Grad. Die Drehbewegung wird gestoppt, wenn diese Grenze erreicht ist. Um ihre Funktion erfüllen zu können, bestehen Scharniere grundsätzlich aus drei Basiselementen.

Flügel (Lappen / Laschen)

Die Flügel sind die (in der Regel rechteckigen) Platten, welche an den beiden Bauteilen befestigt werden, um diese miteinander zu verbinden. Zu diesem Zweck besitzen Sie üblicherweise Löcher zur Aufnahme von Schrauben oder anderen Befestigungselementen. Zur Montage werden die Befestigungselemente dann in diese Löcher und in die darunter liegende Oberfläche getrieben. Mit Ausnahme der Fahnenscharniere bestehen alle Scharniere aus zwei Flügeln.

Drehgelenk

Bei diesem handelt es sich um die hohle Röhre, die in der Mitte eines Scharniers verläuft. Das Gelenk ist eigentlich kein separates Teil, sondern entsteht vielmehr durch die Verbindung der beiden Flügel. Diese besitzen vorstehende Rippen, die beim Zusammenfügen ineinander greifen und so das Gelenk bilden. Es ist somit die Bindestelle des Scharniers.

Stift (Zapfen / Achse)

Der Stift ist ein schmaler, zylinderförmiger Zapfen, der in die hohle Mitte des Scharniergelenks gesteckt wird. Die Vorsprünge an den Scharnierflügeln sind hohl. Daher ist auch das Gelenk, das sie bilden, hohl. Der Stift wird in dieses gesteckt, um die Scharnierblätter zusammenzuhalten.

Die Flügel eines Scharniers können nur ineinander greifen, wenn ein Stift durch das Gelenk gesteckt wird. Ohne einen Stift bleiben die Flügel nicht verbunden. Und wenn die Flügel nicht verbunden sind, kann auch das Scharnier keine Verbindung zwischen den beiden zu verbindenden Bauteilen herstellen.

Aufbauend auf diesem Grundprinzip existieren verschiedene weitere Scharniermodelle und -typen mit zusätzlichen Bestandteilen. Die wichtigsten von diesen wollen wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Federscharniere

Federscharniere haben verschiedene Namen, z. B. federgelagerte Scharniere oder selbstschließende Türscharniere. Alle diese Bezeichnungen beschreiben jedoch dasselbe. Ein Scharnier, das zusätzlich zu dem Grundprinzip (Flügel, Drehgelenk, Stift) noch mit einer Feder ausgestattet ist. Der Federmechanismus sorgt dabei dafür, dass sich Türen oder Klappen automatisch schließen.

Federscharniere verwenden in der Regel gewickelte Torsionsfedern. Diese werden aus Stahl oder rostfreiem Stahl hergestellt und können zusätzlich beschichtet werden, um die Widerstandsfähigkeit und Haltbarkeit zu verlängern. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn das Scharnier im Außenbereich zur Anwendung kommen soll.

Die Federn zum Öffnen und Schließen unterscheiden sich hauptsächlich in den Schenkeln. Die Biegung in den Schenkeln der Schließfeder ermöglicht es ihnen, zur Rückseite des Scharniers durchzustoßen, um die Flügel zuzudrücken.

Federscharniere sind in der Regel einstellbar, so dass Sie wählen können, wie schnell die Tür schließen soll. Federscharniertüren werden sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich eingesetzt und fungieren auch als doppelseitige Schwenktüren. Diese sogenannten Salon- oder Schwingtüren finden sich überwiegend in Krankenhäusern, Restaurants und Schulen.

Topfscharniere (Topfband / verdecktes Scharnier)

Wie es der Name schon sagt, dient dieser Scharniertyp dem verdeckten Einbau, falls das Scharnier aus ästhetischen Gründen nicht sichtbar sein soll. Zu diesem Zweck besitzen Topfscharniere an den Befestigungspunkten (oder in seltenen Fällen auch nur an einem von diesen) einen zylindrischen Napf - den namensgebenden Topf.

Der weitere Aufbau eines Topfbands ist wie folgt:

• Grundplatte: Wird am Rahmen oder Korpus befestigt. Aus diesem Grund besitzt sie zwischen zwei und vier Bohrungen, durch welche sie angeschraubt wird.
• Hebel: Sitzt auf der Grundplatte (angeschraubt oder mit Schnellverschluß) und wird mit dem Bandarm des Topfs verbunden, um das Scharnier und damit die beiden Bauteile zusammenzufügen.
• Bandarm: Verbindungsteil des Topfs. In diesem befindet sich oftmals eine Feder, zum Schließen der Tür oder Klappe.
• Topf: Wird mittels einer flachen, jedoch gleichzeitig breiten Topfbohrung in die Tür eingelassen.

Mehrgelenkscharniere

Bei diesem Scharniertyp sind mehrere Gelenke (Achsen) miteinander verbunden, um speziellen Anforderungen an den Öffnungs- und Schließmechanismus gerecht zu werden. Die Verbindung erfolgt dabei über sogenannte Getriebeglieder. Je nach Anordnung von diesen spricht man von einem Koppel- oder Führungsgetriebe.

Zwei unbewegliche Achsen werden am festen Bauteil (Möbelkorpus, Türrahmen usw.) angebracht. An diesen sind dann wiederum mehrere bewegliche Achsen angebracht, welche beim Öffnen Ihre Position ändern.

Ähnlich den Federscharnieren enthalten Mehrgelenkscharniere oftmals Federn. Bei diesen handelt es sich in der Regel um Druck-, Blatt- oder Schenkelfedern, woher die Bezeichnung “Druckscharnier” für diesen Scharniertyp rührt. Teilweise werden sie zusätzlich mit Dämpfungen kombiniert, um das Öffnen und Schließen zu erleichtern.

Drehmomentscharniere

Ein Drehmomentscharnier (auch Friktionsscharnier, Reibungsscharnier, Konstantmomentscharnier oder Positionierscharnier genannt) bietet der Schwenkbewegung einen kontinuierlichen Widerstand, so dass ein Bildschirm, Deckel oder Klappen und Paneele einfach und sicher in jedem gewünschten Winkel positioniert werden können.

Einige Modelle von Drehmomentscharnieren besitzen eine Dämpfungsfunktion und verhindern dadurch, dass Türen, Schranktüren, Deckel und vieles mehr aus einer geöffneten Position heraus zuschlagen. Andere Arten wiederum ermöglichen es, einen schweren Deckel oder eine massive Tür mit geringem Kraftaufwand zu bewegen.

Erreicht wird dies durch einen Mechanismus innerhalb des Scharniers, der durch Reibung einen Widerstand erzeugt, der verhindert, dass sich ein Bauteil ungewollt bewegt. Es gibt 3 grundsätzliche Mechanismen, die zur Erzeugung der Reibung im Scharnier verwendet werden können: Den Rollen-, den Scheiben- und den Rohrtyp. Ein komplexerer Typ, der nur selten zur Anwendung kommt, ist der Omega-Clip-Typ.

• Rollentyp: Eine Welle im Inneren eines gewalzten Federblechs wird gedreht.
• Scheibentyp: Mehrere verschiebbare Scheiben umgeben eine fixe Scheibe. Erzeugt wird die Reibung durch die Bewegung der verschiebbaren Scheiben um die fixierte herum.
• Rohrtyp: Eine in ein Kunststoffrohr eingesetzte Welle wird gedreht.

 

Wir hoffen, Ihnen mit diesem Beitrag einen guten Überblick über die verschiedenen Teile von Scharnieren gegeben zu haben.

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