Ratgeber & Verkehr

Elektro-Omnibusse - Hype oder Zukunftstrend?

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Mercedes bringt seinen ersten E-Bus auf dem Markt Foto: Daimler

Nicht nur beim E-Auto, auch bei E-Bus zeigen die deutschen Autohersteller sich zögerlich. Aktuell scheint sich das zu rächen.

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Der Dieselbus soll raus aus deutschen Städten. Künftig werden vor allem elektrisch angetriebene Exemplare den öffentlichen Nahverkehr bestreiten, wenn es nach den Kommunen geht. Das Problem: Aktuell gibt nur wenige Modelle, keins davon kommt bislang von einem großen deutschen Hersteller. Immerhin hat Daimler nun seinen ersten E-Bus angekündigt. Bei den Erfolgsaussichten ist man sogar in Stuttgart eher skeptisch.

Ende des Jahres soll die Produktion des batterieelektrischen Mercedes Citaro E-Cell starten, die ersten Exemplare danach zügig auf die Straße kommen. Trotzdem sind die Stuttgarter eher spät dran: Die Nachfrage nach den emissionsfrei fahrenden Omnibussen ist hoch. Die Kommunen benötigen solche Fahrzeuge im Kampf gegen die Stickoxidbelastung, um Fahrverbote zu verhindern. Die Bundesregierung will über ihren Mobilitätsfond sogar Geld für den Umstieg auf die sauberen Modelle bereitstellen.

In den nächsten knapp anderthalb Jahrzehnten wollen die Städte mehr als 800 Fahrzeuge mit reinem E-Antrieb anschaffen, wie die Beratungsgesellschaft PWC ermittelt hat. Allein für 2018 haben die städtischen Verkehrsbetriebe 162 neue E-Busse angekündigt, was einer Verdopplung des Bestands in Deutschland entspricht. Bis 2031 soll die Zahl nach aktuellem Stand auf 821 Fahrzeuge steigen, zahlreiche Ausschreibungen stehen aber bislang noch aus, weshalb die Experten mit einer noch größeren Zahl rechnen. Besonders ambitioniert ist die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden, die 225 reine E-Busse bestellt hat, Nürnberg folgt mit 161 Fahrzeugen, Darmstadt rangiert mit 82 Bussen bundesweit auf Rang drei.

Bislang profitieren von dem E-Bus-Trend vor allem ausländische Unternehmen. Solaris in Polen etwa oder VDL in den Niederlanden. Die großen deutschen Hersteller Mercedes und MAN können bislang noch nicht mit Serienfahrzeugen dienen, immerhin zählt mit dem deutsch-türkischen Unternehmen Sileo in Salzgitter eine heimische Firma zu den Marktführern.

Der mangelnde Elan der Großen hat seinen Grund: Bislang hat die Branche vor allem auf den Dieselmotor und den teilelektrifizierten Diesel-Hybrid gesetzt, der jetzt allerdings plötzlich unpopulär geworden ist. Den E-Antrieb hat man bei Bussen wie bei Pkw daher zunächst auf die lange Bank geschoben. Auch, weil der E-Bus eine besondere Herausforderung ist, in vielerlei Hinsicht komplizierter als der Batterie-Pkw. So muss die Technik im täglichen Betrieb bei Hitze und Kälte reibungslos im täglichen Dauereinsatz funktionieren. Zudem stellen die Städte ehrgeizige Anforderungen an Reichweite und Kostenbilanz.

Die praktischen Erfahrungen mit den E-Bussen in den Städten sind wohl nicht zuletzt deswegen bislang gemischt. Vor allem Stadtwerke zeigen sich sehr zufrieden mit den vom eigenen Strom angetriebenen Fahrzeugen. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die bei einem großflächigen Einsatz Probleme mit Wirtschaftlichkeit, Reichweite und Ladeinfrastruktur befürchtet. Ob der E-Bus tatsächlich das Standard-Modell für die Zukunft ist, bleibt daher abzuwarten. Mercedes zumindest plant vorsichtig. Sollte die Nachfrage jedoch anziehen, könne man schnell reagieren, heißt es.

Aktuell sind in Deutschland 171 rein elektrische Busse im Einsatz, 71 davon allerdings als Oberleitungsbusse in den Städten Solingen (50 Busse), Eberswalde (11) und Esslingen (10). Die meisten rein batteriebetriebenen E-Busse gibt es zurzeit in Hamburg, wo zehn Fahrzeuge unterwegs sind. Insgesamt sind in Deutschland nach Zahlen des Verbands der Verkehrsunternehmen zirka 35.000 Linienbusse unterwegs; Elektromodelle werden also auch auf längere Sicht nur einen kleinen Teil der Flotte ausmachen.

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