Elektromobilität

Schaeffler: Bereit für die elektrische Revolution

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mid Baden-Airpark - Der Chef und sein Chauffeur: Schaefflers Entwicklungsvorstand Prof. Peter Gutzmer und Rennfahrer Daniel At. Bernhard Schoke / mid

Viele Benzin-Junkies halten Elektroautos noch immer für langweilig, langsam und viel zu leise. Doch diesen zweifelnden Zeitgenossen sei eine Probefahrt im 'Schaeffler 4ePerformance' empfohlen. Auch die harten Jungs steigen danach mit weichen Knien aus und sehen die Welt der alternativen Antriebe mit anderen Augen. Der Motor-Informations-Dienst (mid) durfte die brutale Beschleunigung dieser Höllenmaschine jetzt auf dem Beifahrersitz live miterleben.

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Viele Benzin-Junkies halten Elektroautos noch immer für langweilig, langsam und viel zu leise. Doch diesen zweifelnden Zeitgenossen sei eine Probefahrt im "Schaeffler 4ePerformance" empfohlen. Auch die harten Jungs steigen danach mit weichen Knien aus und sehen die Welt der alternativen Antriebe mit anderen Augen.

Basis des Konzeptfahrzeugs ist ein umgebauter Audi A3, dem die vier E-Motoren aus dem Formel-E-Rennwagen "FE01" eingepflanzt wurden. Damit wird der grün-weiße Renner zu einer Höllenmaschine auf Rädern. Insgesamt steht dem Fahrzeug eine rein elektrische Antriebsleistung von 880 kW/1.200 PS zur Verfügung. Der Motor-Informations-Dienst (mid) durfte jetzt im "Schaeffler 4ePerformance" Platz nehmen. Allerdings nicht auf dem Fahrersitz, denn da müssen schon gestandene Profis ran, wie der E-erprobte Rennfahrer Daniel Abt.

Auf dem Baden-Airpark, einem ehemaligen kanadischen Militärflugplatz, geht es richtig zur Sache. Der Kurs, auf dem der "Schaeffler 4ePerformance" die Grenzen der Elektromobilität neu definiert, erinnert ein wenig an eine Kart-Bahn. Er ist winklig, anspruchvoll und hat nur zwei relativ kurze Geraden. Den Spurt von 0 auf 100 km/h erledigt das Konzeptfahrzeug in etwas mehr als 2,5 Sekunden. Wenn der umgebaute Audi A3 nach knapp 200 Metern mit Ur-Gewalt auf fast 200 km/h beschleunigt, hat man ein flaues Gefühl in der Magengegend. Wer etwas anderes sagt, der flunkert wohl. Der Sound passt irgendwie zu dieser Speed-Orgie: Beim Elektro-Renner gibt es kein Motorendröhnen wie in der Formel 1, sondern eher ein merkwürdiges Zischen wie bei einer Rakete. Und so fühlt man sich dann auch wie "Major Tom" auf einer himmlischen Mission oder ein "Space Cowboy" beim wilden Rodeo-Ritt.

Doch es wird noch verrückter. Das Konzeptfahrzeug kann nicht nur vorwärts schnell fahren. Im Rückwärtsgang hängte Daniel Abt erst kürzlich einen vorwärtsfahrenden 720 PS starken Porsche GT2RS ab und schaffte somit einen Weltrekord. "So wie Schaeffler seine technische Kompetenz von der ersten Stunde an in der Formel E einbringt, ist der Technologiekonzern auch in der Elektromobilität für den Serieneinsatz im Straßenverkehr Pionier und Partner für Komponenten- und Gesamtsystem-Lösungen", so Prof. Peter Gutzmer, Technologievorstand von Schaeffler.

Der Automobilzulieferer bietet eine Vielzahl von Produkten für die Elektromobilität und die Elektrifizierung des gesamten Antriebsstrangs an: von Technologien für eine 48-Volt-Hybridisierung und serienerprobten Hochvolt-Hybridmodulen bis hin zu modular aufgebauten E-Achsen. Und was ist mit dem Konzeptfahrzeug? Der "Schaeffler 4ePerformance" könnte die Ergänzung für ein Serien-Antriebskonzept eines elektrischen High-Performance-Sportscar sein, betonen die schlauen Köpfe des Konzerns. Schaeffler gilt als einer der Pioniere in der Welt der Elektromobilität. "Es geht ums Klima, um Emissionen, um Globalisierung und um Digitalisierung. Das sind die großen Herausforderung der Mobilität von Morgen", sagt Matthias Zink, Schaeffler-Vorstand Automotive OEM. Damit diese Aufgaben gemeistert werden, hat der Weltkonzern die "Agenda 4 plus One" ins Leben gerufen.

Im Rahmen dieses Zukunftsprogramms stärkt Schaeffler den Standort Bühl jetzt mit einer Investionen von rund 60 Millionen Euro. Es entsteht ein hoch modernes Entwicklungsgebäude. Auf einer rund 23.400 Quadratmeter umfassenden Fläche sind Büroräume für rund 500 Personen, eine Kantine, ein großzügiger Konferenzbereich sowie Prototypenbau und Prüfstände geplant. Es werden voraussichtlich 350 Arbeitsplätze, hauptsächlich im Bereich E-Mobilität, in den nächsten Jahren neu entstehen. Der Spatenstich fand im September 2018 statt. "Mit der neuen Automotive OEM Zentrale unternehmen wir einen weiteren Schritt, um das zu realisieren, was wir sein wollen: Eine Schaeffler Gruppe, mit einer globalen Strategie und einer starken Wertebasis. Das geht am besten mit einer gemeinsamen Marke. Der Marke Schaeffler", erklärt Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands Schaeffler AG.

Der Automobilzulieferer hat einen klaren Fahrplan. Dieser wird durch Zahlen und Analysen gestützt. Demnach setzt sich der Kuchen der Mobilität im Jahr 2030 in Deutschland aus 30 Prozent Elektroautos, 40 Prozent Hybride und 30 Prozent Verbrenner zusammen. "Wir stehen an der Schwelle zur Revolution des Antriebs", betont Dr. Jochen Schröder, Leiter Unternehmensbereich E-Mobilität bei Schaeffler. Das soll aber nicht bedeuten, dass man den Verbrennermotor zu Grabe trägt: "Es wäre viel zu früh, diese Technik jetzt aufzugeben", so Schröder.

Ralf Loweg / mid

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