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Panorama: Porsche Design - Ästhetik aus dem Abseits

  • In AUTO
  • 8. Februar 2019, 14:03 Uhr
  • Benjamin Bessinger/SP-X
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Ferdinand Alexander Porsche: Gründer des Porsche Design Studios Foto: Porsche

Los Angeles, Shanghai, die Cote d'Azur oder wenigstens Barcelona - normalerweise zieht es die Designer der PS-Branche an exotische Plätze. Doch bei Porsche kommt die Ästhetik aus dem Abseits. Denn der kreative Hotspot der Schwaben liegt in Zell am See - zumindest für alles, was nichts mit den eigenen Autos zu tun hat.

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Ferdinand Alexander Porsche war offenbar ein pragmatischer Mann. Nicht nur, dass der Vater der legendären 911-Silhouette nach der Entscheidung für den Rückzug der Familie aus dem operativen Porsche-Geschäft Anfang der 1970er kurzerhand sein eigenes Designstudio eröffnete. Obwohl ganz und gar ein Petrolhead, war ihm auch sehr schnell die Fahrerei zu viel. Warum also in Stuttgart bleiben und arbeiten, wenn er sein Zeichenbrett auch in Zell am See aufstellen kann, fragte sich Porsche und verlegte nur zwei Jahre nach der Gründung von F A Porsche seinen Sitz dorthin, wo die Familien Porsche und Piech seit dem zweiten Weltkrieg ihre Wurzeln haben. In Sichtweite des legendären Schüttgut, des zum Familiensitz aufgerüsteten Bauernhofes, siedelte er 1974 sein Studio an und brach so mit einem weit verbreiteten Vorurteil über Designer.

Denn es braucht offensichtlich keine exotischen Locations wie Kalifornien, China oder wenigsten die Cote d'Azur, um kreativ sein zu können. Nicht was vor dem Fenster, sondern was im Kopf passiert, ist dafür entscheidend. Und gar so schlecht ist der Ausblick auf die Alpen ja nun auch nicht. Diese Entscheidung hat jetzt schon über 40 Jahre bestand. Selbst wenn Porsche Design mittlerweile wieder komplett der AG gehört und damit durchaus einen Platz in Weissach verdient hätte, sitzen die zwei Dutzend Mitarbeiter noch immer in der österreichischen Provinz und liefern Ästhetik aus dem Abseits.

Aber ein bisschen Abstand zum Auto kann bei ihrem Geschäft auch nicht schaden. Zwar entwerfen sie in der neuen Modellbauhalle am anderen Ende des Ortes mittlerweile auch immer mal wieder einen Pkw, vor allem SUV und Crossover für den chinesischen Markt und natürlich nie für ein Modell, das auch nur entfernt mit einem Auto aus Zuffenhausen konkurrieren könnte. Und der Name Porsche taucht dabei ohnehin nicht auf. Doch das Gros der Arbeit entfällt auf andere Produkte: ,,Wir machen alles von medizinischen Geräten über Accessoires bis hin zu Yachten", sagt Hausherr Roland Heiler und lässt den Blick über ein Regal schweifen, in dem man neben dutzenden Sonnenbrillen oder Tabakpfeifen sogar Bohrmaschinen im Porsche-Design findet. Und wenn er durch den Ort läuft, dann sieht er sogar eine Seilbahn im Porsche-Design. ,,Das ist das erste und einzige Objekt, mit dem wir hier vor Ort tatsächlich präsent sind", freut sich der Geschäftsführer des Studios.

Am Umsatz, der nicht einmal zur Hälfte mit Accessoires fürs Mutterhaus gemacht wird und so mehrheitlich fremdes Geld in die Kasse spült, haben derzeit vor allem Uhren einen wachsenden Anteil. Aus gutem Grund. Schließlich war eine Jubiläumsuhr für verdiente Mitarbeiter der erste Auftrag, mit dem das Studio 1972 startete. Und nachdem die irgendwie an die Handgelenke von Rennfahren und Showstars geriet, wurden die Nachfrager immer größer. Kein Wunder, sagt Heiler, denn auch dieser Chronograph I war etwas Besonderes: ,,Er war die erste Uhr mit einem schwarzen Gehäuse und schwarzem Ziffernblatt." Das war weder eine Spielerei, noch hatte es ästhetische Gründe, erläutert der Chef: Porsche orientierte sich dabei vielmehr an den Armaturen von Rennwagen und Flugzeugen, eingebettet in eine schwarze Cockpit-Landschaft, weil sie die irritierenden Reflexionen der Scheiben schluckt.

Dieses Know-how haben sie in Zell am See bewahrt, ausgebaut und kräftig nachgelegt: Mittlerweile ist Porsche der einzige Automobilhersteller, der Uhren nicht nur entwirft, sondern tatsächlich auch produziert, sagt Heiler stolz. Und wenn jetzt der neue 911 in den Handel kommt, dann gibt es dazu nun selbstredend auch eine passende Uhr.

Während sich Porsche dabei tatsächlich vom Auto und vor allem von dessen Instrumenten inspirieren lässt und bei manchen Modellen wie der limitierten Sonderserie für die Besitzer des letzten 911 Turbo Exclusive sogar Farben und Materialen aus der Pkw-Produktion übernimmt, haben die jüngsten Entwürfe mit Mobilität nichts mehr zu tun. Im Gegenteil: Vor ein paar Jahren ist Porsche auch ins Immobiliengeschäft eingestiegen und hat zusammen mit renommierten Architekten eigene Hochhäuser entworfen. In Miami ist der Porsche-Tower schon fertig, in Frankfurt gerade im Bau.

Klingt weit weg vom eigentlichen Geschäft, aber es gibt trotzdem eine enge Verbindung, sagt Heiler mit einem Augenzwinkern - nicht umsonst hat etwa die Anlage in Miami speziell Aufzüge, durch die man mit seinem Auto quasi direkt bis ins Wohnzimmer fahren kann - selbst wenn man in der obersten Etage residiert.

Gegen die Immobilie in Miami mit all ihrem Glanz und Glamour wirkt das Hauptquartier in Zell am See von außen gesehen eher schlicht und wird von internationalen Besuchern gerne übersehen. Doch innen ist es umso moderner eingerichtet. Hightech-Arbeitsplätze, coole Besprechungsräume, lichte Galerien und immer wieder neue Ausblicke auf die Alpenlandschaft - die Atmosphäre in Zell am See steht den Entwürfen für Luxus-Immobilien in nichts nach. Nur ein Raum will dazu nicht so ganz passen - das alte Arbeitszimmer von FA Porsche sieht noch genauso aus wie an seinem letzten Arbeitstag im Jahr 2004, als er sich aus der Firma zurückzog. Die Modellautos im Regal, die Kinderzeichnungen an der Wand und den Uhrenbeweger neben dem Schreibtisch inklusive. Dass sich der seit ein paar Wochen nicht mehr dreht, ist allerdings eine kleine Ironie des Schicksals. Denn mit rührigem Management und großer Rückendeckung aus Zuffenhausen erlebt Porsche Design gerade bewegendere Zeiten als je zuvor.

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