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Tradition: Die aufregendsten Gran Turismo aller Zeiten beim Genfer Salon - Schneller reisen und schö

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Platz 10: Mazda RX-7 von 1978. Besonders die Amerikaner waren begeistert von dem Keil mit extravaganter, gläserner Heckklappe Foto: Mazda

Genf, die Heimat des globalen Geldadels, gilt auch als Wiege der Gran Turismo, jener schnellen Luxus-Sportwagen, die große Distanzen in Grandezza verkürzen. Kaum ein Vollgas-Bolide in atemberaubender GT-Form, der in den letzten 70 Jahren nicht am Ufer des Genfer Sees debütierte. Hier ist die Top Ten der High-End-Sportler.

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Drohende Fahrverbote oder Diskussionen um Tempolimits? Kein Thema im Tempel der teuersten Supersportwagen, dem Genfer Automobilsalon. In den Messehallen am Lac Leman kommt es auch in diesem Frühjahr zum weltweit wichtigsten Showdown von Sport, Speed und Luxus - so wie seit über 70 Jahren. In den frühen Nachkriegsjahren brachte die neue Idee verführerisch gezeichneter Gran Turismo erste Langstrecken-Geschosse hervor. Schon der 1947 vorgestellte italienische Cisitalia 202 Gran Sport schaffte eine Sensation: Wurde der Pininfarina-Entwurf doch als erstes Auto ins New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen. Gleichzeitig revolutionierte der konkurrierende Lancia Aurelia B20 GT Fahrwerk und Reisekomfort. Seitdem gelten die Genfer Messepaläste als prominentester Premierenort von formvollendeten Touren-Sportlern, deren Strahlkraft größer ist als der Wow-Faktor puristischer Vmax-Racer. Hier die Top Ten der aufregendsten Gran-Turismo-Debütanten aller Zeiten am Lac Leman:

Platz 10: Mazda RX-7 von 1978. Ein Großserien-Japaner im Club der faszinierendsten GT? Aber klar doch, denn dieser Mazda erschütterte die Sportwagenwelt ähnlich der Gewalt eines Tsunami. Besonders die Amerikaner waren begeistert von dem Keil mit extravaganter, gläserner Heckklappe, der wie eine schärfer gezeichnete Kopie des erfolgreichen Porsche 924 wirkte. Fehlendes Porsche-Prestige kompensierte der RX-7 durch drehfreudige Wankel-Power und mehr als 100 Motorsporterfolge in amerikanischen IMSA-Serien. Auf der Straße avancierte der langstreckentaugliche Klappscheinwerfer-Sportler mit fast einer halben Million verkaufter Fahrzeuge zum erfolgreichsten Kreiskolbenmotor-Modell überhaupt.

Platz 9: Koenigsegg Agera von 2011. Es ist die Aura des Genfer Automobilsalons, der die schwedische Marke Koeniggsegg ihren Aufstieg zum Fixstern am Firmament der Schnellsten verdankt. Auf einem Messestand klinisch weiß wie eine Formel-1-Manufaktur präsentiert Firmengründer Christian von Koenigsegg seine millionenteuren Vmax-Faszinatoren, die ausgelegt sind für große Touren. Schon der 2006 eingeführte CCX war schnellster Serienwagen der Welt - bis ihn der Bugatti Veyron ablöste. Aktuell ist der 865 kW/1.175 PS freisetzende Agera RS mit einer offiziell gemessenen Vmax von 447 km/h rasantester Straßenrenner der Welt.

Platz 8: Toyota 2000 GT von 1967. Als automobile Geldanlage spielt dieser Toyota heute in der Hochpreisliga von Ferrari. Für alle Fans fernöstlicher Gran Turismo bleibt der 2000 GT aber vor allem eins: Japans erster Supersportwagen. Eine Fahrmaschine, die das Prinzip perfekter Proportionen noch wichtiger nahm als schiere Power und damit sogar James Bond begeisterte, der im Kinoabenteuer auf den Nippon-Sechszylinder vertraute statt auf europäische V12. Bei ihrem ersten Langstreckenrennen verschreckten die 250 km/h schnellen 2000 GT die versammelte Konkurrenz durch einen Doppelsieg: Ferrari vermeldete für den 330 GT nur 245 km/h Vmax.

Platz 7: BMW 6er (E24) von 1976. In seiner Schlagkraft wurde dieses unter Kultdesigner Paul Bracq entworfene Coupé von der Fachpresse mit dem Rekord-Fußballtorjäger Gerd Müller verglichen, dem damaligen ,,Bomber der Nation". Schließlich ließ der 1976 in Genf enthüllte BMW 6er die meisten Gegner geradezu behäbig wirken, zuerst nur in den Verkaufscharts, dann als 255 km/h schneller M 635 CSi auch in den Fahrleistungen. Seine Agilität verdankte dieser Toptyp nachgerüsteter Rennsporttechnik aus dem BMW M1. Mit dessen 3,5-Liter-Sechszylinder konnte der 13 Jahre lang gebaute Gran Turismo sogar vielen Zwölfzylindern die Endrohre zeigen.

Platz 6: Ferrari 275 GTB/4 von 1966. Dieser bis 8.000 Touren drehende Zwölfzylinder war direkter Wegbereiter für den 365 GTB/4 ,,Daytona", zum Mythos machten den Ferrari 275 GTB/4 aber andere Faktoren. Zum einen konterte der 221 kW/300 PS starke Spitzensportler erfolgreich Lamborghinis 350 GT. Zum anderen zog Hollywoodstar Steve McQueen die Berlinetta aus Maranello dem gleichzeitig vorgestellten Lambo Miura vor. Das galt als finaler Ritterschlag für den Ferrari, wie sich zeigte, als McQueens 275 GTB/4 bei einer Auktion mehr als zehn Millionen Dollar erzielte.

Platz 5: Alfa Romeo Montreal von 1970. Keine Gran-Turismo-Gala ohne eine Kreation des genialen Marcello Gandini. Für die Weltausstellung 1967 in Montreal hatte der Bertone-Chefdesigner die betörenden Linien eines Sportcoupés der Zukunft gezeichnet, das Alfa Romeo drei Jahre später tatsächlich in Serie gehen ließ. Zum ikonischen Imageträger für die italienische Sportmarke wurde der Montreal durch hochkarätige Renntechnik aus dem Tipo 33 und das verblüffende Mittelmotordesign - obwohl die furiose V8-Macchina unter der Fronthaube Platz fand.

Platz 4: Mercedes 230 SL (R 113) von 1963. Er ist der einzige Roadster in dieser Gran-Turismo-Gala. Zum Frühlingsbeginn 1963 in Genf vorgestellt, gelang dem Mercedes 230 SL unmöglich Geglaubtes: Der von Paul Bracq in vollendete Form gebrachte Sechszylinder erwies sich als so agil, dass er gleichzeitig den legendären 300 SL und den erschwinglicheren 190 SL ersetzte. Vor allem aber zählt der mit markantem Pagodendach ausgestattete SL der Reihe R 113 für automobile Gourmets bis heute zu den schönsten Tourenwagen aller Zeiten.

Platz 3: Lamborghini Espada von 1968. Es war der atemberaubend schnelle Miura, der Lamborghinis Nimbus als Ferrari-Killer begründete. Aber erst der viersitzige Espada fuhr die überlebenswichtigen Absatzerfolge für Lamborghini ein. Als ultraflaches Autobahngeschoss des Designvirtuosen Marcello Gandini avancierte der Espada zum gefragtesten V12 aus Sant'Agata. Kein familientauglicher Zwölfzylinder, der damals schneller war. Kein Konkurrent, der in vergleichbar radikale Formen gegossen worden war. Provozierende Proportionen, mit denen der Bolide zum Bestseller avancierte - um das Duell mit Maranello in eine neue Runde zu führen.

Platz 2: Porsche 928 von 1977. Vergessen Sie die voluminösen Dimensionen und die Puristen, für die er nie wirklich zur Porsche-Familie gehörte. Der von Grund auf neu konstruierte Porsche 928 fuhr mit einem bis zu 257 kW/350 PS starken V8 und im Transaxle-Layout an die Spitze der Grand Tourer und war letztlich so begehrenswert, dass er fast zwei Jahrzehnte gebaut wurde. Vor allem verdiente Porsche mit dem 2+2-Sitzer genügend Geld, um schwierige Jahre zu überstehen. Obwohl er den Elfer nicht ablöste, brachte der 928 jene Gene in den Porsche-Stammbaum, aus denen aktuelle Bestseller wie der Panamera hervorgingen.

Platz 1: Jaguar E-Type Coupé von 1961. Es ist dieses einzigartige Arrangement aus unbändiger Kraft und muskulösen Kurven, das den Jaguar E-Type zum Urmaß moderner GTs machte. Dieser urbritische Bolide bringt alles mit, was Sportwagenfans bis heute lieben: Eine euphorisierende Ästhetik mit endlos langer Motorhaube, unter der sich ein kräftiges Herz mit bis zu 232 kW/315 SAE-PS verbirgt, inzwischen jedoch bisweilen ein Elektromotor wirkt, damit der rassige Superstar weiterhin bei royalen Anlässen reüssieren kann.

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