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Sonst noch was? - Der Siegeszug der Stromer

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  • 26. Januar 2020, 10:42 Uhr
  • Günter Weigel/SP-X
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Sonst noch was? Foto: SP-X

Dass wir in Zukunft elektrisch fahren, ist kaum noch zu verheimlichen. Man kann natürlich auf das wachsende Angebot passender Fahrzeuge verweisen und auf die vielen Studien von tollen Autos, die da kommen sollen. Dass es ernst wird, merkt man aber auch an anderen Dingen.

Liebe Freunde klassischer Verbrennungsmotoren, ihr müsst ganz tapfer sein. Die Elektromobilität ist nicht mehr aufzuhalten! Die Zeichen mehren sich, man muss sie nur zu deuten wissen. Nicht nur das ungefähr jeder Automobilhersteller spätestens jetzt noch schnell ein batterieelektrisches Auto aus dem Hut zaubert oder zumindest einen Plug-in-Hybriden, und nicht bloß, weil die EU mit Strafzahlungen droht. Nein, es geht überall los mit der stromgetriebenen Fortbewegung. Auch da, wo man es nicht vermuten würde.

Die schwedische Firma Awake beispielsweise baut Surfboards mit E-Motor. Damit kann der geneigte Surfer bis zu 45 Minuten übers Wasser gleiten und zwar mit maximal 56 km/h. Bislang dachten wir, Surfer wären gut durchtrainierte Menschen (m,w,d), die sich Kraft ihrer Finesse die Wellen untertan machen und so beeindruckende Geschwindigkeiten erreichen. Hilfsweise wurden auch schon mal welche mit Segeln oder gar Flugdrachen als Antrieb gesehen. Jetzt also Strom.

Nämliche Energieform treibt auch allerlei Boote an, die jüngst auf der Fachmesse ,,Boot" in Düsseldorf präsentiert wurden. Sogar kleine Lasten-Tender verkehren elektrisch und zwar ganz ohne Oberleitung, anders als so mancher Lkw, der noch versuchsweise auf Strom setzt. Nicht zu vergessen ein deutsches Startup der Luftfahrtbranche, das dieser Tage ein wenig in die Schlagzeilen geriet, weil sein elektrischer Senkrechtstarter - eine Art Taxisdrohne für das urbane Umland - mit gar fantastischen Werten aufwarteten beliebte. Die bezweifelt zwar mancher Flugexperte, aber völlig wiederlegt sind sie noch nicht. Wenn nun also Wasser wie Luft elektrisch zu bezwingen sind, dürfte die Straße das kleinste Problem sein.

Bei der flächendeckenden Durchsetzung der E-Mobilität hilft es, wenn Autos nicht zu schnell fahren, weshalb sich dieser Tage selbst der Gralshüter der freien Fahrt für freie Bürger schon mal ein wenig vom seinem Credo distanzierte und ein allgemeines Tempolimit nicht mehr völlig ausschließen will. Dass der ADAC diesen Schritt auch nur andenkt, kommt wahrscheinlich für die Fans großvolumiger Verbrenner einem Sakrileg gleich. Dabei hätte man es ahnen können. Schon seit vielen Jahren bietet der Münchner Club schließlich in seinem inzwischen kaum mehr erscheinenden Fachmagazin ,,Motorwelt" Herstellern individueller, strombetriebener Mobilität ein breites Forum: Nirgends gab es mehr Anzeigen für Treppenlifte. Und alle waren elektrisch.

Was den Siegeszug der E-Mobilität noch stoppen kann, ist die Bürokratie. Aktuell gibt es beispielsweise noch immer keine Klarheit über die Förderung. Der Kabinettsbeschluss über die Erhöhung muss von der EU abgesegnet werden, liegt dort aber noch nicht vor. Warum weiß so genau keiner. Am allerwenigsten sicherlich der Andy, also der zuständige Minister. Der weiß aber eh nie von nix und hat im Zweifelsfall ja auch eine andere Rechtsauffassung als der europäische Gerichtshof. Aber das bezog sich doch eher auf seine Maut als auf innovative Lösungen moderner Mobilität, oder?

Ob der schleppende Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur, die ja in Sachen Strom und Auto nicht völlig unwichtig ist, bürokratische, technische oder mentale Gründe hat wissen wir nicht. Die Bundesregierung hätte jedenfalls gerne bis 2030 eine Million Ladepunkte im Land. Das heißt, so hat es die FDP-Bundestagsfraktion berechnet, dass täglich 244 davon errichtet werden müssten. Tatsächlich nehmen im Schnitt 270 Ladesäulen ihren Betrieb auf, allerdings im Monat. Also ganz grob etwa ein Dreißigstel der nötigen Menge. Nein, wir vermuten keine Verschwörung hinter dem lahmen Ausbau. Es gibt in Deutschland eben einfach jede Menge zu regeln und zu regulieren, da dauert es halt einfach auch mal ein wenig länger, bis ein Plan aufgeht. Die Million E-Autos für 2020 haben ja auch nur fast geklappt. Es fehlten, zählt man die Hybride mit, kaum mehr als die Hälfte. Aber jetzt wird die Million ganz rasch kommen. Auf jeden Fall. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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