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Fahrbericht: Volvo EX 30 - Spannendes Schwedenhäppchen

  • In AUTO
  • 23. Februar 2024, 11:04 Uhr
  • Frank Thomas Uhrig/SP-X
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Volvo nimmt ein neues Einstiegsmodell ins Programm Foto: Volvo

Gebaut von Geely in China, soll der vollelektrische EX 30 die skandinavische Premium-Marke Volvo im Segment der kompakten B-SUV in die Zukunft fahren. Ist der Optimismus, den die Schweden bei der Fahrvorstellung des neuen Modells verbreiten, gerechtfertigt?  

Die Eckdaten klingen vielversprechend: 4,24 Meter kurz, stolze 2,03 Meter breit, 1,55 hoch - ein Sports Utility Vehicle, das in der Größenklasse des VW T-Roc spielen will. Oder besser in der Liga etwa des elektrischen Opel Corsa oder des Jeep Avenger, denn der EX 30 hat zwar bis zu zwei Motoren, verbrennt aber keinerlei fossile Energie. In der Basisversion wird die Hinterachse von einem mit 200 kW/272 PS starken Elektromotor angetrieben, der 343 Nm Drehmoment liefert, in der Allradversion kommt eine weiterer E-Motor mit 115 kW/156 PS auf der Vorderachse hinzu. In der dann 315 kW/428 PS mächtig starken Top-Variante erreicht der EX30 die Marke von 100 km/h in sportwagenverdächtigen 3,6 Sekunden. An beiden Achsen werden dann bis zu 543 Nm Drehmoment realisiert.

Den meisten Kunden wird allerdings die hinterradgetrieben Variante genügen, für die zwei Batterien - eine mit 51kWh, die andere mit 69 kWh Speichervermögen - zur Wahl stehen. Die größere Batterie bietet eine Reichweite nach WLTP von 476 Kilometern, der kleineren geht nach 344 Kilometern der Saft aus. Die Ladezeiten beider Energiespeicher sind annähernd identisch: Bei der stärkeren Variante dauert es 26,5 Minuten, bis der Akku von 10 auf 80 Prozent seiner Kapazität vollgelaufen ist, bei der schwächeren sind es 26 Minuten. Die Allradversion gibt es nur mit der 69 kWh-Batterie, die aufgrund des etwas höheren Verbrauchs bereits nach 450 Kilometern aufgeladen werden muss. Für das häusliche Lademanagement spendiert Volvo ein 11 kW-Onboard-Ladegerät, auf Wunsch gibt auch eines mit 22 kW.  

Die Frage aller Fragen ist beim Auto bekanntlich: ,,Was kost' der Spaß?"  Und die Antwort darauf ist eine angenehme Überraschung, denn zum Einstieg rufen die Schweden, fast möchte man sagen ,,nur" 36.590 Euro für den EX 30 Single Motor in der Basisversion Core mit kleiner Batterie auf. Der Single Motor Extended Range (große Batterie) schlägt in der mittleren Version Plus mit mindestens 45.590 Euro zu Buche, die Allradversion Twin Motor Performance AWD kostet in der Topp-Ausstattung Ultra 52.090 Euro.  

Die Außenansicht des elektrischen Klein-SUVs ist gefällig-modern. In der Front prangt das Volvo-Zeichen und macht die Familienzugehörigkeit sowie den Premium-Anspruch deutlich. Ebenso volvotypisch zeigt der EX30 klare Kante, baut insgesamt relativ niedrig und gefällt mit einem sportlich-strammen Heck. Der Innenraum mag nicht jedermanns Sache sein, werden doch einige Materialien verwendet, die zwar als ,,hochwertiger Kunststoff" tituliert werden, manchen aber doch eher an billiges Plastik denken lassen. Für das bessere Ökogewissen könnte sorgen, dass diese Stoffe zu einem bisher ungekannten Prozentsatz aus Recyclingmaterial bestehen. Das Gestühl ist in Ordnung, erreicht aber nicht an das Niveau der größeren Volvos heran.

Bedienen lässt sich der kleine Schwede über ein Riesendisplay in der Mitte des Armaturenbretts. Im direkten Gesichtsfeld des Fahrenden gibt es keinerlei Anzeigen, auf der Lenksäule steht eine Kamera-Einheit für das so genannte Fahrer-Monitoring: Hier werden die Augenbewegungen desjenigen aufgezeichnet, der am Lenkrad sitzt und Warnungen ausgegeben, falls Ausfallerscheinungen drohen. Nach einer gewissen Zeit der Beschäftigung mit den Untiefen der diversen Einstellungsmenüs und der Gewöhnung an das an teslamäßige, das gesamte Auto steuernde Zentraldisplay macht das System Spaß, auch wenn einige Darstellungen auf dem Bildschirm  für den schnellen Blick schlichtweg zu klein geraten sind. Der EX 30 wartet außerdem mit einer schier unüberschaubaren Vielfalt von Sicherheits- und Komfortassistenten auf, die sich Interessierte am besten beim örtlichen Volvo-Händler ausführlich erklären lassen. Damit dies ohne Schwierigkeiten möglich wird, läuft bei Volvo derzeit eine deutschlandweite Probefahrtaktion, in der Kunden das Auto 24 Stunden lang zur Verfügung erhalten.

Auf der Straße verhält sich der EX 30 tadellos, die Batterie unter dem Fahrzeugboden sorgt für einen tiefen Schwerpunkt und eine fast ideale Gewichtsverteilung zwischen den Achsen. So machen sich die mindestens 1.840 Kilogramm der Fuhre kaum bemerkbar, schon die 200 kW/272 PS der heckgetriebenen Version bewegen sie mühelos. zumal sie auch von den weniger leistungsstarken Antrieben mühelos bewegt werden. Anders als viele früher eingebremste Konkurrenten erlaubt der EX 30 eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h, die auch zügig erreicht wird. Im Zaum gehalten wird die Leistung von einem durchaus straffen Fahrwerk, einer präzisen Lenkung und hervorragenden Bremsen. Keine Selbstverständlichkeit: Die Anhängerkupplung kann direkt mitbestellt werden.  

Die Verantwortlichen bei Volvo erwarten viel vom neuen EX 30. Er zielt, anders als viele bisherige Elektrofahrzeuge eindeutig auf die Kundschaft, die ihn als Erstauto nutzen wollen, was dank des guten Platzangebots, der Reichweite und der Preisgestaltung ein durchaus berechtigtes Ansinnen ist. Er soll zweitens auch Premium-Kunden ansprechen, die sich ansonsten eher bei den großen deutschen Herstellern umsehen. Ob dieses Ziel realistisch ist, muss sich weisen, zumal die deutschen Produzenten langsam erwachen und ebenfalls auf das Segment der kleinen Premium-SUVs schielen. Spannend wird sein zu sehen, wie sich der EX 30 in Europa gegen das Schwestermodell Smart #1 behauptet, der ebenfalls auf der bei Geely in Zhangjiakou in China vom Band läuft und auf der gleichen SAE-Platform steht.



Volvo EX 30 - Technische Daten

Fünftüriger SUV der Kompaktklasse; Länge: 4,23 Meter, Breite: 1,83 Meter (mit Außenspiegel: 2,03 Meter), Höhe: 1,55 Meter; Radstand: 2,65 Meter, Kofferraumvolumen: 318 - 904 Liter; Vmax (abgeregelt): 180 km/h. Ein-Gang-Automatikgetriebe.

Heckantrieb: Elektromotor mit 200 kW/272 PS, max. Drehmoment: 343 Nm; Batterie 51 kW/h (LFP), Reichweite (max.): 344 km; Ladezeit (10 - 80 %): 26 Min.; Verbrauch: 16,7 kW/h auf 100 km;  Leergewicht: 1840 kg; Anhängelast: 1000 kg;  0-100 km/h: 5,7 Sek.

Batterie 69 kW/h (NMC); Reichweite: 476 km; Ladezeit: 26,5 Min.; Verbrauch: 17 kW/h auf 100 km; Leergewicht: 1850 kg; Anhängelast: 1400 kg; 0-100 km/h: 5,6 Sek.

Allradantrieb: zwei Elektromotoren mit 115 kW/156 PS und 200 kW/272 PS, Gesamtleistung 315 kW/428 PS, max. Drehmoment: 543 Nm; Batterie 69 kW/h (s.o.) Reichweite: 450 km; Verbrauch: 17,5 kW/h auf 100 km; Leergewicht: 1960 kg; Anhängelast: 1600 kg; 0-100 km/h: 3,6 Sek.



Kurzcharakteristik

Warum: Erstautotaugliches Kompakt-E-SUV, akzeptable Preise, üppige Sicherheitsfeatures

Warum nicht: Innenausbau wenig Premium, gewöhnungsbedürftiges Bedienkonzept

Was sonst: Smart #1, Jeep Avenger/Peugeot 2008/Opel Corsa E, Hyundai Kona

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