New Mobility

New Mobility: Airtaxis - Vom Luftschloss zum Geschäftsmodell

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Auch Autohersteller wie Porsche befassen sich mit Lufttaxis Foto: Porsche

Fliegende Autos waren schon vor fast 100 Jahren ein Menschheitstraum. Künftig könnten zumindest Taxis in die Luft gehen.  

Gerade noch spinnerte Science Fiction, jetzt schon ein Geschäftsmodell mit Zukunft. Die lange Zeit skeptisch beäugte Lufttaxi-Branche scheint kurz vor dem Abheben zu stehen: In den vergangenen vier Jahren haben sich die Investitionen in die selbstfliegenden Drohne-Shuttles verzwanzigfacht. Schon bald sollen die ersten Elektro-Flieger in der Luft sein. 

Bislang sind Flugtaxis lediglich in einzelnen Pilotversuchen unterwegs, etwa seit 2018 im chinesischen Guangzhou. in Paris sollen schon vor Mitte des Jahrzehnts erste Maschinen Menschen transportieren und in Dallas stehen demnächst Testflüge auf dem Programm. Weltweit mehr als 110 städtische oder regionale Projekte zur Bereitstellung autonomer Lufttransportangebote hat die Unternehmensberatung Roland Berger für eine aktuelle Studie zum Lufttaxi-Geschäft gezählt. Die Hälfte davon lauft aus Europa.  

Eine größere Verbreitung des Lufttaxis startet den Experten zufolge ab 2025, wenn erste kommerzielle Anbieter auf den Markt kommen. Das stärkste Wachstum folgt dann ab 2030. Roland Berger rechnet für 2050 weltweit mit rund 160.000 kommerziellen Shuttle-Drohnen und einem jährlichen Marktvolumen von 90 Milliarden Dollar.   

Investoren stehen Schlange - obwohl bislang ein konkretes und geprüftes Geschäftsmodell noch nicht erkennbar ist. Die Ansätze und Ideen sind vielmehr vielfältig. In den Megametropolen im Osten könnten die Fluggeräte eilige oder besonders solvente Passagiere über die chronisch verstopften Straßen erheben. In Europa wären die fliegenden Taxis vielleicht eher als schnelle und flexible Verbindung zwischen einzelnen Städten denkbar. Oder als Überbrückung zwischen Fernflughäfen und der City. In Regionen wie dem Ruhrgebiet, im Rhein-Main-Raum oder im Dreieck München, Augsburg, Ingolstadt könnten Flugtaxis die Reisen auf Kurz- und Mittelstrecken beschleunigen

Während bei den ersten Flugtaxis wohl zunächst noch Piloten mit an Bord sein werden, dürfte relativ schnell der Computer übernehmen. Zur Sicherheit sind Überwachungszentren am Boden denkbar, die im Notfall per Fernsteuerung eingreifen. Der Antrieb der Drohnen erfolgt elektrisch, in der Regel wohl mit Hilfe von mehreren Propellern - wie man es von Spielzeugen kennt. Alternativ oder zusätzlich sind Konzepte mit Flügeln für den zeitweiligen Gleitflug denkbar. Die nötige Energie kommt aus Akkus, die man dem Elektroauto abgeschaut hat, das Buchungs- und Bezahlsystem könnte ebenfalls aus dem Fahrzeuggeschäft übernommen werden.  

Einen zeitlichen Vorteil sollen Flugtaxis gegenüber heutigen Verkehrsmitteln schon ab zehn Kilometern Reisedistanz bringen, die maximalen Reichweiten liegen bei rund 300 Kilometern. Als Kundschaft haben Entwickler und Investoren keinesfalls die oberen Zehntausend im Blick. Eine Studie von Porsche Consulting etwa erwartet Preise im Bereich von rund 10 Euro pro Minute. Ein Flug vom Stuttgarter Flughafen ins benachbarte Bietigheim-Bissingen würde etwa sechs Minuten dauern und rund 60 Euro kosten. Ein Taxi bräuchte etwa eine halbe Stunde, am Ziel stünden etwa 90 Euro auf der Uhr. Bus und Bahn oder selbst ein Mietwagen dürften unterm Strich billiger sein, aber ebenfalls deutlich länger brauchen als die Drohne. Vor allem für eilige Geschäftsreisende wären solche weiten und mittelnahen Verbindungen wohl attraktiv.

Neben den City- und Airport-Shuttles mit einer Reichweite von 15 bis 50 Kilometern wird es nach Einschätzung von Roland Berger auch Langstrecken-Taxis geben. Diese Intercity-Jets übernehmen dann Distanzen bis 250 Kilometer; die Marktanteile sieht die Studie relativ gleichmäßig verteilt. Zunächst werden die Hersteller der Flugtaxis den Markt dominieren, doch alleine dürften sie nicht weit kommen. Rund um die neue Mobilitätsform muss ein ganzes Ökosystem wachsen, der eine Reihe von unterschiedlichen Geschäftsmodellen in verschiedenen Segmenten hervorbringt: etwa den Betrieb von Landeplätzen, Dienstleistungen rund um den Flug, Ticket-Vermittlung und Reparaturen.  

Während die Drohnen-Technik bereits sehr weit ist, gibt es drumherum aber noch Klärungsbedarf. Etwa bei der Frage, wo die Drohnen künftig starten und landen sollen. Neben Hochhausdächern sind als Standort etwa die obersten Decks von Parkhäusern denkbar. Dort müsste es neben ausreichend Platz für die Geräte auch Warteräume für die Passagiere sowie Auflade- oder Tauschmöglichkeiten für die Akkus geben.  

Und nicht zuletzt braucht es willige Kundschaft. Und die wird sich wohl zumindest in Westeuropa zunächst an den Gedanken gewöhnen müssen, in ein computergesteuertes Mini-Batteriemobil zu steigen und kilometerweit durch die Luft zu sausen. 

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